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TipToi – Sinnvolle Lernhilfe oder Elektroschrott?

4. März 2019

Das tiptoi Lernsystem aus dem Hause Ravensburger gibt es seit Herbst 2010. Ich muss gestehen, lange stand ich diesem Produkt sehr kritisch gegenüber: Ist der tiptoi Stift wirklich eine sinnvolle Lernhilfe oder nur ein Produkt für lesefaule Eltern? Dieser Frage bin ich nachgegangen, seit unsere Große im Oktober 2018 (passend zum Schulanfang) von Ihrer Patentante ein tiptoi Starter-Set mit Buchstabenspiel* geschenkt bekommen hat.

Ravensburger TipToi sinnvolle Lernhilfe oder Elektroschrott
Ein Einblick in unsere tiptoi Produkte

tiptoi – Was ist das?

Das tiptoi Lernsystem mit dem orangefarbenen Stift gibt es seit Herbst 2010. Der tiptoi Stift* ist essenziell, um die entsprechenden tiptoi Produkte (Bücher, Spiele, Puzzle, Sticker, Spielfiguren, Adventskalender und sogar interaktive Globen) nutzen zu können: Dafür wird der Stift über den sog. tiptoi Manager am PC mit Inhalten bespielt, die dann bei der Nutzung des Stiftes, zusammen mit dem Produkt, abgespielt werden.

Apropos abspielen: Im September 2015 wurde der tiptoi Stift mit einem Kopfhöreranschluss ausgestattet. Damit konnten Kinder auch unterwegs Hörspiele und Musik auf ihrem Stift anhören. Die letzte Änderung am tiptoi Stift gab es Herbst 2018: Bei diesem neuesten Stift kann man keine Hörspiele/Musik mehr abspielen, doch der Stift wurde mit einem Mikrofon ergänzt: Nun können Kinder selber kreativ werden und ihre tiptoi® create Produkte* mit erfundene Geräuschen und Geschichten besprechen.

Übrigens funktionieren alle Modelle funktionieren mit zwei 1,5 Volt-Batterien (AAA).

Wissen & Quizzen mit dem tiptoi von Ravensburger

tiptoi – Ab wann?

In dieser Sache spalten sich die Meinungen. Ich lese immer wieder, dass 2-Jährige von Ihren Eltern tiptoi Produkte geschenkt bekommen. Dem stehe ich eher ablehnend gegenüber: Kleinkinder sind natürlich von den sprechenden Stiften fasziniert, meiner Meinung nach aber noch nicht in der Lage, damit selbstständig Wissensgebiete zu erkunden. Außerdem ist der Stift für so kleine Kinderhände doch relativ groß und schwer – und wird er herum geworfen oder in den Mund genommen, kann er kaputt gehen.

Unsere persönlichen ersten tiptoi Erfahrungen

Auch unsere persönliche Erfahrung mit dem tiptoi Stift hat gezeigt, dass er nicht in die Hände von Kleinkinder gehört – und auf keinen Fall ohne elterliche Aufsicht! Als unsere Große den tiptoi Stift kurz nach Ihrer Einschulung geschenkt bekam, hat natürlich auch unsere kleine Maus (damals 4 Jahre alt) mit dem Stift spielen wollen. Sie hat den Stift dabei aber immer bei voller Lautstärke direkt an ihr Ohr gehalten. Das ist sehr ungesund! Und meine Messungen mit der kostenlosen LärmApp haben ergeben, dass der Stift eine Lautstärke von 100dB wiedergibt. Für Kleinkinder wird jedoch von HNO Ärzten eine maximale Lautstärke von 85dB empfohlen (z.B. für Kinder-Kopfhörer).

Der tiptoi Stift wartet auf seinen Einsatz beim Erstleser
Der tiptoi Stift wartet auf dem Schreibtisch unserer Erstklässlerin auf seinen Einsatz beim Lesen

Ist der tiptoi eine sinnvolle Lernhilfe?

Wird der tiptoi Stift mit den entsprechenden Inhalten richtig eingesetzt, kann er durchaus Kindern ab 5/6 Jahren (Vorschul- und Schulalter) als Lernhilfe und Ergänzung zu anderen Lernmethoden dienen. D.h. das Kind tippt auf einen bestimmten Text oder ein Bild, hört zu und denkt mit. Auch die Zusatzinfos und Quizfragen dienen dem Lernen! Kleinkinder sind meiner Meinung nach nicht in der Lage, die unterschiedlichen Ebenen eines tiptoi-Produktes (Entdecken, Wissen, Erzählen und Spielen) zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. In vielen Haushalten werden Kinder überdies mit ihrem tiptoi Stift alleine gelassen, ohne zu schauen, was es damit macht. Ich bin der Meinung, auch wenn Kinder sich die Texte anhören, bedarf es immer noch elterlicher Erklärungen, um hier wirklich etwas zu lernen.

In unserem Kinderzimmer haben die Stifte mittlerweile in Ihrem mitgelieferten Standfuß einen festen Platz auf den Kinder-Schreibtischen*. Der Stift wird gerne zur Hand genommen, z.B. aktuell zum Lesen lernen (mit dem tiptoi-Buch „Das tollste Pony der Welt“). So findet der Lernprozess auf spielerische Art und Weise statt, was diesen unterstützt. Ist aber keinesfalls eine Lernmethode, die ich alleine einsetzen würde.

Lesen lernen mit dem Leserabe und tiptoi

Studie rund um die digitalen Audiostifte

In einer Studie des Hans-Bredrow-Instituts für Medienforschung wurde die Nutzung digitaler Audiostifte in der Familie untersucht. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Eltern den tiptoi Stift nicht als Medium sehen und die Nutzung nicht reglementieren. Der Stift wird eher als Ergänzung zum Buch wahrgenommen, ohne aber die möglichen Gefahren im Blick zu haben. Diese sehe ich aus persönlicher Erfahrung vor allem darin:

  • Lautstärke, wenn der Stift direkt ans Ohr gehalten wird
  • Batteriefach geht leicht auf (potenzielle Gefahrenquelle für kleine Kinder)
  • Bequemlichkeit der Eltern wird gefördert und Vorlesen kommt zu kurz
  • Kinder werden beim Lernen alleine gelassen und die Hilfestellung fehlt

Letztendlich sollten wir Eltern uns bewusst machen, dass der Stift eben nicht die Rolle von uns Eltern beim Lernen, wie z.B. Unterstützung beim Lesen lernen, ersetzen kann!

Nutzt ihr den tiptoi Stift? Welche Produkte haben euch überzeugt?

Hierbei handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der unbeabsichtigt eine werbende Wirkung beim Leser haben könnte. Ich wurde jedoch weder von Ravensburger, noch von einem anderen Unternehmen dafür beauftragt!

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2 Comments

  • Reply Michael Reinhard 28. März 2019 at 11:08

    Ich stehe dem Tiptoi ebenso kritisch gegenüber, wie den in den 1980ern beliebten LÜK-Kästen. Ich bin der Ansicht, dass Kinder nicht den tatsächlichen Inhalt der jeweiligen Übung lernen, sondern sich lediglich die „Anordnung“ der Antworten einprägen. Das bedeutet, dass sie das Memory-System anwenden und sich nur merken, auf welchem Weg das Ziel erreicht werde kann. Der dahinter stehende fachliche Inhalt wird meines Erachtens nicht wirklich aufgenommen.
    Zudem habe ich den Eindruck, dass sich automatisiertes Lernen zu sehr auf die Wahrnehmungskanäle auditiv und optisch reduzieren. Der haptische Reiz kommt beim Legen von Plättchen (LÜK) oder antippen von Stellen in einem Buch (Tiptoi) deutlich zu kurz. Hingegen nimmt er beim klassischen Spielen oder beim Schreiben (setzt natürlich ein gewisses Alter voraus) einen deutlich größeren Raum ein. Das für mich größte Problem ist aber das emotional isolierte Lernen. Sich alleine mit einem Lernprozess zu beschäftigen mag eine Option für Erwachsene sein, welche die Anwesenheit anderer Personen oftmals als störend empfinden. Kinder hingegen brauchen meiner Ansicht nach besonders beim Lernen die emotionale Ebene, also einen Lernpartner, der sich aktiv am Lernprozess beteiligt.
    Lernen braucht Fehler – und Fehler brauchen Konsequenzen. Wenn ich ein Spielzeug repariere (z. B. etwas anklebe) und aus Ungeduld nicht warte, bis der Kleber ausreichend getrocknet ist, wird sich die geklebte Stelle schnell wieder Lösen. Mein Fehler hat etwas verursacht. Und da ich diese Reaktion nicht nochmal erleben möchte, werde ich beim nächsten Reparaturversuch mehr Geduld üben.

    • Reply Natürlich kindgerecht 29. März 2019 at 16:32

      Danke Michael, du greifst viele Punkte auf, die ich auch so sehe. Danke für dein tolles Kommentar!

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