Südtirol

Ein Glücksspiel: Die Musikschule in Südtirol

12. Januar 2019

Musik ist elementar und unterstützt unsere Kinder in ihrer Entwicklung. Trotzdem muss ich immer wieder erleben, dass Kinder keinen Zugang zur Musikschule erhalten und Eltern oft teure Privatlehrer engagieren müssen (sofern sie sich das leisten können und überhaupt ein solches Angebot im näheren Umfeld existiert). Dazu möchte ich heute einige Gedanken loswerden.

Die musikalische Förderung hat den Blues

Musikschule Südtirol Privatunterricht Instrument

Musik ist ein Recht für alle! – das hat auch Zeno Oberkofler erkannt und schrieb letztens auf dem neu gegründeten (Nov. 2018)  Musikportal für Südtirols Musikwelt**:

„Es gibt viele Kinder die Lust hätten ein Instrument zu lernen, aber es nicht können und Jahrelang in endlosen Wartelisten der Musikschulen auf einen Platz hoffen. Ich kann es einfach nicht wahrhaben, dass dies etwa 2500 Kinder und Jugendlichen vorenthalten wird, nur weil sie Pech gehabt haben keinen Platz in der Musikschule gefunden zu haben oder weil sich ihre Familien keinen teuren Privatunterricht leisten können. Das kann’s nicht sein.“

– Zeno Oberkofler (*1997), Student der Violine am „conservatorio C. Monteverdi Bolzano“ –

Genau dies erlebe ich aktuell auch in meinem näheren Umfeld und sehe diese Entwicklung mit großem Bedauern: Dort gibt es eine Mutter, die verzweifelt nach einem Musiklehrer für ihre Tochter sucht, doch im näheren Umfeld nicht fündig wird. Eine weitere Mutter, alleinerziehend, bezahlt wöchentlich 20 € für eine halbe Stunde Unterricht und hofft, irgendwann einen Platz in der Musikschule für ihre Tochter ergattern zu können (Kosten dafür 90 – 180 € pro Jahr). Und das in einem Land, wo Musik seit jeher eine große Rolle spielt.

Kreativität: Die Schlüsselqualifikation für die Zukunft

Doch die Plätze in den Musikschulen unseres Landes sind begrenzt: Wenig Lehrer, zu viele Schüler. Und dazu Aufnahmekriterien, die einen in teuren Privatunterricht drängen (musikalische Vorbildung bringt einen weiter nach vorne auf der Warteliste) Ist Musik zu einem Privileg geworden? 

Wo bleibt die Politik, die unsere Kinder und deren Kreativität fördert? Ist es doch gerade diese, die in unserer Zukunft eine immer größer werdende Rolle spielt: Das kreative Kind denkt selbsttätig und neu! Es stellt sich schneller auf neue Situationen ein, findet neue Lösungen für Probleme, löst sich von klassischen Denkmustern und hat – durch die Musik – häufig ein besonders gutes Sozialverhalten. Ist es nicht gerade das, was Politik und Schule unterstützen sollten, anstatt dem Kind die Möglichkeit zu nehmen, ebendiese Kompetenzen im Musikunterricht zu stärken. Sollte nicht jedes Kind die Möglichkeit bekommen, die Musikschule zu besuchen?

Soziale Ungleichheit auch in der Musik?

Bestimmen heute die kulturellen Ressourcen von uns Eltern die (Bildungs-) Chancen unserer Kinder? Die Studie „Jugend und Musik“ der Bertelsmann Stiftung aus Deutschland sagt ebendas:

Dem deutschen Bildungssystem wird in internationalen Vergleichsuntersuchungen attestiert, dass Bildungserfolg und Sozialstatus eng miteinander verbunden sind. Die vorliegende Studie zeigt, dass diese Kopplung auch in der musikalischen Bildung nachweisbar ist: Je höher der Bildungsstatus und das Einkommen der Eltern, desto eher sind Jugendliche musikalisch aktiv.

Dieses deutsche Problem greift zunehmend auch auf Südtirol über: Es gibt wenige freie Plätze an den Musikschulen und der Musikunterricht in den Schulen droht mit nur 1-2 Stunden wöchentlich zunehmend zur Nebensache zu werden. Das Erlernen eines Instruments ist in diesem Umfeld ebenfalls nicht möglich – und wäre doch so wichtig!

Jeder hat ein Recht auf Musik!

Schließlich ist die Musik nicht nur eine große kulturelle Errungenschaft, sondern auch für die persönliche Entwicklung eines jungen Menschen sehr wichtig (Langzeitstudie von H.G. Bastian hat nachgewiesen, dass ein verstärkter Musikunterricht die allgemeine Lernmotivation und Lernleistung steigert). Aus diesem Grund wünsche ich mir:

  • eine Aufwertung des Musikunterrichtes im Allgemeinen
  • Zugänglichkeit zu Musikschulen für alle Interessierten
  • die musikalische Frühförderung, z.B. in Eltern-Kind-Zentren sollte unterstützt werden
  • der Besuch von privatem Musikunterricht sollte steuerlich absetzbar sein bzw. anderweitig unterstützt werden

Wie siehst du das? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

 

Quellenverzeichnis:

Studie der Bertelsmann Stiftung
Zusammenfassung der Studie „Jugend und Musik“
Sechs Studien belegen: Musik, Kunst und Co. stärken Schüler in ihrer Entwicklung
Weitere Beiträge zum Thema Musik

** ursprünglich erschienen auf Salto.bz

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