Familienleben

Wie viel Medienkonsum ist für Kleinkinder gut?

17. April 2020

Schon im Alltag von kleinen Kindern unter drei Jahren sind Medien omnipräsent. Gerade aktuell mit den Beschränkungen aufgrund des Coronavirus sind viele Eltern den ganzen Tag mit ihren Kindern Zuhause und sollen diese beschäftigen: Schnell mal das Tablet in die Hand drücken, klingt da sehr verführerisch. Aber wie reagieren die Kleinsten auf die über elektronische Medien übertragenen Bilder, Geräusche und Geschichten. Und wie viel Medienkonsum ist für Kleinkinder eigentlich gut? Dieser Frage möchte ich im heute in diesem Blogbeitrag nachgehen. Los geht’s!

Wie kleine Kinder Medien im Alltag erleben

Wie dieser Artikel auf kindergesundheit-info.de beschreibt, bekommen Babys und kleine Kinder ganz nebenbei etwas von Medien mit. Ob vom Vater, der am Computer eine Mail schreibt oder der Mutter, die beim Spaziergang mit ihren Freundinnen chattet: Die Kinder spüren, sobald die Bezugspersonen um sie herum den Medien Aufmerksamkeit schenken. Zwar vermögen es die Kleinen noch nicht, die Bedeutungszusammenhänge zu erfassen. Doch sind sie von Natur aus neugierig und erleben ihre Umwelt durch Nachahmen und Ausprobieren. So freuen sich deine Kleinkinder über bunte Bilder oder die blinkende Handytastatur. 

Gleichzeitig kann kleinen Kindern schnell einmal alles zu viel werden. Das ist nur logisch, wenn du bedenkst, wie Medien auf Kleinkinder wirken. Der Nachwuchs ist dazu fähig, die Angebote wahrzunehmen – kann diese allerdings noch nicht aktiv kommunikativ oder motorisch verarbeiten. Am Ende läuft dieser Konsum also auf ein gefülltes Fass hinaus. Wird es zu voll, läuft es über.

Dann reagieren Kleinkinder schon mal erschöpft, müde oder sogar aggressiv auf die für sie überstimulierende Medienumgebung. Es ist daher ratsam, dein eigenes Kleinkind niemals über Stunden hinweg einer unkontrollierten Mediennutzung auszusetzen.      

Intensiver elterlicher Medienkonsum kann folgenreich sein!

Studien belegen, dass Fernsehen und Computer die kindliche Entwicklung beeinträchtigen können.  Dies gilt in den ersten Lebensjahren insbesondere für die zwischen Eltern und Kind ablaufende Kommunikation. Nur eine stabile Bindung vermittelt einem Neugeborenen ausreichend Sicherheit, um sich gesund entwickeln zu können. Sobald ein Elternteil telefoniert oder chattet, fällt es ihm schwer, dem Kind Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Viel wichtiger als der Medienkonsum an sich ist also aus meiner Sicht eine Balance zwischen elterlichen Bedürfnissen und kindlicher Fürsorge.

Wie viel darf mein Kind am Tag fernsehen Medien und Kind
Bei Medien und Spielen gilt: Es ist schön, wenn Eltern die Aktivitäten der Kleinen interessiert verfolgen – und gelegentlich mitmachen. 

Sind Fernsehen und Computer für Kinder zwingend schädlich? 

Manche Eltern halten ihre Kinder bewusst von Fernsehen und anderen medialen Angeboten fern. Andere fragen sich, ob und wie oft sie ihren kleinen Kindern erlauben sollten, mit Medien umzugehen. Eine pauschale Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Jedoch ist es möglich, sich beispielsweise über die in diesem Artikel auf Babelli.de beleuchtete Thematik eine eigene Meinung zu bilden. Nicht immer sagen Studien – abhängig von der Fragestellung – die ganze Wahrheit. Da sie jeweils nur einen kleinen Aspekt des großen Ganzen abbilden, können sie ebenfalls nur begrenzt Antworten liefern. 

Dasselbe Prinzip gilt meiner Meinung nach freilich auch bei dem medialen Konsum. Medienangebot ist nicht gleich Medienangebot! Einige sind mehr für deine Kinder geeignet, andere weniger. Es kommt also eher auf die individuelle Persönlichkeit deines Kindes an. Zweifelsohne heiße ich einen verfrühten Medienkonsum nicht vollumfänglich gut: Unter Dreijährigen fällt es einfach schwer, die von elektronischen Geräten ausgesendeten visuellen Reize zu verarbeiten.

Wie kann Medienkonsum bei Kleinkindern in Maßen funktionieren? 

Du kannst selbst Kleinkinder Schritt für Schritt mit medialen Angeboten vertraut machen. Wichtig ist hierbei, einen goldenen Mittelweg zu finden und folgendes umzusetzen: 

  • Beobachte deine Kinder genau und fang an, ihr Verhalten in Bezug auf Medien kritisch zu hinterfragen. Sobald du spürst, dass deinem Kind die medialen Angebote zu viel werden, solltest du reagieren.
  • Beginne, Medien nicht als Privileg oder Bestrafung anzusehen. Dein Kind sollte sich nichts verdienen müssen, um die medialen Angebote nutzen zu dürfen.
  • Ich würde dir empfehlen, die Inhalte zu überprüfen: Sind sie kinderfreundlich aufgebaut oder für deine Kinder eher ungeeignet? Du solltest dir insbesondere in den ersten Jahren bei Kleinkindern das Recht herausnehmen, bei neuen Inhalten mitzuentscheiden.
  • Mach dir bewusst: Moderne Medien gehören in der globalisierten Welt einfach dazu. Dieser Fakt ist sowohl Risiko als auch Chance zugleich. Sieh es mal so: Du kannst deinen Kindern von Anfang an beibringen, verantwortungsvoll mit medialen Angeboten umzugehen. Hierbei solltest du allerdings auch bereit sein, mit gutem Beispiel voranzugehen.
  • Gönne dir und deinen Kleinkindern unbedingt eine medienfreie Zeit. Dies gilt ganz besonders bei der täglichen Nachtruhe. In einer für Babys und Kleinkinder richtigen Schlafumgebung haben Fernseher, Smartphones und andere digitale Geräte keinen Platz.
  • Ich würde darauf achten, mediale Angebote immer mit Auszeiten und Bewegung an der frischen Luft auszugleichen. Denn in einer Sache sind sich Experten zu Recht einig: Mit Fernsehen aufwachsende Kinder bewegen sich weniger als Kinder, die wenig oder gar kein TV schauen. Vor allem für die frühkindliche Entwicklung kann ein Bewegungsmangel schwerwiegende Folgen haben. Durch falsches Sitzen entstehen etwa Haltungsschäden, die im Erwachsenenalter schwer korrigierbar sind. Auch kann sich wenig Bewegung darauf auswirken, wie Kinder später ihren Körper und ihre Gefühle wahrnehmen.
  • Nicht zuletzt ist es wichtig, den eigenen Kindern als jederzeit erreichbarer Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Nur Familien, die gemeinsam an einem Strang ziehen, können den kindlichen Medienkonsum bedarfsorientiert und altersgerecht anpassen
Medienkonsum Kinder Fernsehen Tablet
Entwicklungspsychologen empfehlen, Kinder erst ab dem Grundschulalter an Bildschirmmedien heranzuführen. 

Wie viel Medienkonsum für Kleinkinder? Was Experten raten

Wie oft und wie lange Kleinkindern mediale Inhalte zugänglich sein sollten, darüber herrscht Unstimmigkeit. Du findest allerdings wichtige Anhaltspunkte, indem du beispielsweise die Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beachtest. Diese unterteilt die auf h-age.net vorgestellten kindgerechten medialen Angebote in Bücher sowie Hör- und Bildschirmmedien auf. Anhand dieser Aufteilung raten die Experten, Kleinkindern insbesondere Bilderbücher und Bücher vorzulesen. Anhand der Bücher lernen die Kids fürs Leben, indem sie Wissen vermittelt bekommen. Hörmedien wie Musik-CDs und Hörgeschichten empfehlen die Experten höchstens für 30 Minuten am Tag. Weiterhin rufen sie dazu auf, Kleinkindern unter drei Jahren möglichst gar keine Smartphones, Fernsehen und Computer anzubieten.

Ich denke mir, dass es sich bei den angegebenen Werten nur um Orientierungspunkte handelt. Letztendlich denkt und fühlt jedes Kind anders. Meiner Erfahrung nach kannst du vor allem an den Verhaltensweisen deines Kindes feststellen, ob die mediale Nutzung zu viel wird. Wirkt dein Kind teilnahmslos, gelangweilt, aggressiv oder überdreht? Dann kann es sein, dass ihm die für seine Altersgruppe angebotenen Medien überstimulieren. Ein Tipp von mir zum Schluss: Häufigkeit und Dosis des Medienkonsums sorgsam abzuwägen. In den ersten drei Lebensjahren macht es Sinn, insgesamt kurze, dafür elterlich „begleitete“ Medienzeiten einplanen.

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