Familienleben Haustiere

Experten über das Zusammenleben mit Kind und Hund

27. September 2019

Hunde sind in ihrer Art einzigartig: Kein anderes Tier hat sich im Laufe der Evolution so gut an uns angepasst und lebt so eng mit uns Menschen – und unseren Kindern – zusammen. Und trotzdem bleibt ein Hund ein Tier und im Zusammenleben mit dem eigenen Haustier müssen Regeln gelten. Welche das sind, ob ein Hund Nachteile mit sich bringt, wie eine Schwangerschaft mit Hund zu schaffen ist und vieles mehr, dass erfährst du in diesem Beitrag. Viel Spaß!

Inhaltsverzeichnis

Kim Ulrich, Hundetrainerin und Mutter eines Sohnes
Dini Bosse, Zweifachmama, Hundebloggerin und zertifizierte BARF-Beraterin
Natalie Thaler, Hundetrainerin und Dog-Blogger
Tamara Tavella, Zweifachmama und Künstlerin
Sandra Baumeister, Gründerin von „Ein Herz für Streuner e.V“

Kim Ulrich – Hundetrainerin und frischgebackene Mama

Liebe Kim, stelle dich bitte kurz vor? Wer bist du?

Mein Name ist Kim Ulrich. Ich bin seit einigen Jahren Coach für Mensch und Hund aus tiefster Leidenschaft. Ich habe zwar jetzt auch ein richtiges Baby, aber neben meinem kleinen Sohn ist meine Hundeschule gewissermaßen auch immer eine Art „Baby“ für mich gewesen. Diese Berufung hat mich gepackt, als ich mit meinem vorigen Hund Smudo, einem großen braunen Labrador Retriever, meinen eigenen, positiven Weg der Hundeerziehung gesucht habe. Ich war immer der festen Überzeugung, dass eine rein freundschaftliche Herangehensweise mit Hunden nicht nur möglich, sondern viel erfolgreicher ist. Und wie es sich in den letzten Jahren herausstellte, behielt ich damit recht. Mittlerweile habe ich schon sehr vielen Menschen und Hunden zu mehr Harmonie und Leichtigkeit im Alltag verhelfen können.

Du hast seit 2015 deine eigene Hundeschule, die „Best Friend Academy“, und bist einer der Experten bei Seelenfreunde. In deinem Hörbuch „Entspannt an der Leine“ gibst du Hundeführern einen Trainingsplan mit auf den Weg, wie das Ziehen an der Leine aufhört. Als Mama mit Hund und Kind steht man gleich vor doppelter Herausforderung: Spazieren mit Kinderwagen und einem Hund an der Leine. Welche Tipps hast du für einen entspannten gemeinsamen Spaziergang mit seinem Kind und dem Familienhund?

Als ich dieses Jahr (2019) im Januar mein erstes Kind bekam, war unsere derzeitige Große Schweizer Sennenhündin Ida auch erst ein Jahr alt und selbst noch ziemlich grün hinter den Ohren. Entsprechend ihrer Rasse hat sie natürlich trotzdem schon viel Kraft und ich war ganz froh, dass ich ihr schon ganz gut beigebracht hatte, an der Leine zu laufen. Trotzdem gibt es natürlich auch in Idas Kopf manchmal noch kleine Chaossituationen, wo sie plötzlich noch nicht mal mehr weiß, dass Ihr Name Ida ist. Das ist ganz normal während der Entwicklung in den ersten Jahren. Vor allem große Rassen brauchen da einfach etwas.

Um sie vorzubereiten bin ich als der Kinderwagen ankam, das eine oder andere mal mit leerem Wagen ins Feld gefahren, um stressfrei mit ihr zu üben. So konnte sie sich auch erst mal an den ganzen Ablauf mit dem Ein- und Aussteigen und an die Fahrt im Kofferraum mit dem unteren Gestell des Kinderwagens gewöhnen.

Seit wir regelmäßig mit dem Kinderwagen laufen, kennt sie zwei nützliche Signale. Einmal eins, was einfach nur bedeutet, dass sie an meiner linken Seite ein Leckerli bekommt. Das setze ich ein, wenn es schnell gehen muss, zum Beispiel wenn ein Auto kommt oder ich sie aus einem anderen Grund näher bei mir haben will. So kann ich dann zur Not auch die Leine kürzer nehmen oder mit unserem Fußsignal weiterlaufen.

Normalerweise darf Ida sich recht frei innerhalb der Leinenlänge bewegen, aber sie soll nicht vor dem Kinderwagen die Seite wechseln, weil ich das mit Leine nicht ganz ungefährlich finde. Ich halte die Leine also so, dass sie zwar Spielraum hat, aber nicht so einfach vor den Kinderwagen laufen kann. Und wenn sie die Seite wechseln möchte, dann gebe ich Ihr das zweite neue Signal, nämlich „Hintenrum“. Dabei geht sie hinter mir auf die entgegengesetzte Seite und bekommt dafür ein großes Lob und hin und wieder eine Belohnung. Anfangs habe ich sie dazu auch etwas mit dem Leckerli gelotst, damit sie es richtig verstanden hat.

Im Grunde gehört einfach nur Geduld und Verständnis für beide Seiten dazu. Und immer wenn Hunde etwas Erwünschtes machen, wie zum Beispiel an lockerer Leine oder neben einem zu laufen, sollten sie dafür gelobt und auch belohnt werden. Umso motivierter zeigen sie dieses Verhalten wieder.

Ist ein Hund noch sehr ablenkbar, kann es helfen die spannenden Reize anfangs zu umgehen, bis man besser eingespielt ist und das Ablenkungsniveau langsam zu steigern. Dabei kann man ganz einfach auf sein Gefühl hören. Ist etwas zu schwer, macht man es sich und seinem Hund leichter. Ist etwas langweilig, kann man sich neue, möglichst angenehme Herausforderungen suchen.

Du bist selbst auch Mama: Welche Vorteile siehst du darin, dass deine Kinder mit einem Hund aufwachsen?

Ich bin sehr froh, dass mein Kind mit unserem Hund aufwachsen kann, weil ich schon jetzt sehe, was er dadurch dazu gewinnt. Sein Denken, sein Feingefühl, seine Kommunikationsfähigkeit wird durch Ida stimuliert und auf wunderschöne Weise weiterentwickelt. Vor allem wenn er älter ist, kann ich ihm über Ida Empathie, Tierliebe und kreatives Denken beibringen. Man sieht ja selbst an Erwachsenen, dass es schon gewisse Soft Skills voraussetzt, um mit Hunden zu kommunizieren und harmonisch zusammenzuleben. Das alles kann ich ihm beibringen und ich bin mir sicher, dass ihm das über sie leicht fallen und gefallen wird. Hunde zeigen uns Menschen, egal ob groß oder klein, wie schön die Natur und das Leben ist, wie leicht es ist, dankbar und glücklich zu sein. Sie sind einfach ein großes Geschenk – und für mich definitiv ein sehr wichtiger Bereich meines Lebens.

Dini Bosse – Mama von zwei Menschenwelpen und Hundekind Abby

Liebe Dini, könntest du dich kurz vorstellen? Wer bist du?

Ich bin Dini, 32 Jahre jung, stolze Mama von 2 wundervollen Kindern und einem Hundekind. Durch meine Hündin Abby bin ich vor bald 7 Jahren zum Bloggen gekommen. Als ob sie mich dahingehend nicht schon genug beeinflusst hätte, war sie dann später auch der Grund, warum ich mich zur Hundeernährungsberaterin habe ausbilden lassen. Sie erkrankte nämlich an einer Schilddrüsenunterfunktion und hat damit unser ganzes Leben ganz schön auf den Kopf gestellt.

Dein Hundekind Abby hat deine zwei Schwangerschaften immer hautnah miterlebt. Aber wie hast du diese Zeit erlebt? Glaubst du, als Hundemama mit Baby schwanger zu sein, stellt dich in diesen 40 Wochen vor zusätzliche Herausforderungen?

Ich muss ja gestehen, ich hasse es, schwanger sein. Nach der ersten Schwangerschaft habe ich gedacht, ich übertreibe. Dann kam die zweite und nein, die hat das wirklich nur bestätigt. Ich habe während beider Schwangerschaften 4 Monate lang über dem Klo gehangen, war dadurch arbeitsunfähig. Danach ging es mir knapp einen Monat gut und dann hatte ich Symphysenschmerzen und konnte mich kaum bewegen. Bei der zweiten Schwangerschaft war das übrigens noch schlimmer, als bei der ersten. Daher wäre ich ohne Hund wahrscheinlich genauso mitgenommen gewesen, wie mit. Aber tatsächlich tat mir Abby während beiden Schwangerschaften so leid. Ich bin ihre Bezugsperson. Ich mache die großen Runden – und bin beide Male knapp 9 Monate ausgefallen.

Natürlich versucht man, das zu kompensieren und mein Mann hat mir wirklich so viel abgenommen (wofür ich ihm so dankbar bin). Aber für sie hätte ich es mir eben anders gewünscht. Ich weiß aber, dass es Schwangere gibt, denen es die ganze Zeit gut geht und ich habe immer jeden beneidet, der mit dickem Bauch noch lange Gassi gehen konnte. Besonders die letzten Wochen, in denen man hier in Deutschland im Mutterschutz nicht mehr arbeiten muss, sind da noch einmal ganz intensiv, weil man doch recht viel Zeit für den Hund hat. Man darf halt nur nicht zu kritisch mit sich sein und muss einfach akzeptieren, dass alles nicht mehr so schnell geht.

In deinem Beitrag „Zwei Kinder und ein Hund – So klappt`s“ gibst du Hundemamas mit Menschenwelpen schon jede Menge Tipps, wie sie den Alltag mit Kindern und Hund besser bewältigen können. Würdest du dir trotzdem manchmal wünschen, du hättest einen anderen Weg gewählt? Gibt es Einschränkungen und Nachteile, die eine Familie mit Hund hinnehmen muss (z.B. weil Hunde nicht auf Spielplätze dürfen)?

Abgesehen davon, dass ich die 9 Monate davor gerne nicht gehabt hätte, würde ich sagen, wir haben sehr viel Glück mit Abby gehabt und ich bin froh, dass wir unser Leben so mit ihr gehabt haben, wie wir es haben. Ich möchte sie nicht an meiner Seite missen. Ich möchte nicht auf die Erinnerung verzichten, wie sie die beiden kennengelernt hat. Wie sie mit uns zusammen Gassi geht oder wie sie auf Spielzeug verzichtet, wenn sie merkt, dass eines der Kinder es gerne hätte. Abby ist großartig mit unseren Zweien, auch wenn ihr ein Leben mit mir alleine reichen würde.

Dennoch habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten oft die Frage gestellt, ob es für sie nicht fairer gewesen wäre, erst einen Hund zu holen, wenn die Kinder groß sind. Damals haben wir gesagt „Wir gucken erst einmal, ob wir als Paar einen Hund groß kriegen, bevor wir an Babys denken“. Heute denke ich eher andersrum. Aber das liegt wahrscheinlich wirklich an diesen 2×9 Monaten, die mir quasi fehlen. Dann habe ich nur Winterbabys – und mit denen möchte man ganz am Anfang auch eher ungern raus, sodass auch die ersten Wochen und Monate mit mir auf Sparflamme liefen. Ansonsten empfinde ich Hund und Kind zusammen aber nicht als Einschränkung – im Gegenteil. Der Hund „zwingt“ einen zum Rausgehen und das sorgt gleichzeitig dafür, dass das Kind eben mit muss. Wie oft wir mit Abby schon Verstecken im Wald gespielt haben oder der Große Leckerchen unter Blättern versteckt hat, ist einfach toll. Das hätten wir sonst ohne Hund wohl nicht erlebt.

Das Hunde nicht mit auf Spielplätze dürfen, finde ich total okay. Man muss Hund und Kind eben manchmal trennen. Die Kinder haben den Spielplatz für sich und ab und an bekomme ich mal „frei“ und kann mit Abby alleine rausgehen. Ja, es ist eine Menge Organisation nötig, aber die braucht man bei Kindern ja sowieso. Und wenn ich sehe, wie verliebt besonders unsere Kleine in Abby ist, oder dass der Große weiß, wie er sich bei fremden Hunden benehmen muss, ohne dass er Angst hat, dann weiß ich, dass wir mit Abby einfach alles richtig gemacht haben.

Natalie Thaler, Hundetrainerin und Dog-Blogger

Hallo Natalie, stelle dich doch bitte kurz vor. Wer bist du?

Mein Name ist Natalie Thaler, ich bin ausgebildete Hundetrainerin und leite die Hundeschule DogSpot im Vinschgau. Seit dem letzten Jahr bieten wir auch Hundetrainerausbildungen an und zwar gemeinsam mit dem Schulungszentrum für Hundetrainer Ziemer&Falke aus Deutschland. Außerdem betreibe ich die Hundewebsite dog-spot, wo man nicht nur unser Angebot sehen kann, sondern eben auch viele Infos rund um den Hund – von der Haltung bis zum Training und dem Familienleben mit Hund bekommt. 

Nach den Kindern macht häufig ein Hund die Familie komplett – und so müssen gerade Hunde, die mit Kleinkindern in einem Familienverbund leben, tagtäglich einiges aushalten und vielerlei Dinge können. Hast du die Erfahrung gemacht, dass sich bestimmte Rassen besser für das Familienleben eignen als andere?

Das kann man so pauschal nicht sagen, ich glaube hier muss ich ein wenig ausholen um verständlich zu antworten. 

Wenn man sich einmal die Ahnentafel unserer heutigen Rassen ansieht, dann sieht man schnell, dass alle zu einem bestimmten Zweck gezüchtet wurden: der Boder Collie zum Hüten, der Herdenschutzhund zum Bewachen, der Golden Retriever zum Apportieren (bringen des erlegten Wildes) und so weiter. Über Jahrhunderte hinweg hat man also die Besten selektiert und mit Ihnen weitergezüchtet. Heutzutage gibt es zwar sogenannte „Showlinien“– also Hunde die wegen Ihres Aussehens gezüchtet werden, wo nicht mehr so auf Arbeitstauglichkeit geachtet wird – aber was über Generationen hinein gezüchtet wurde, das bekommt man eben nicht von gestern auf heute wieder raus. So ist es also auch wichtig, dass man ein wenig die Genetik und den ursprünglichen Verwendungszweck einer Rasse in die Auswahl mit einbezieht

Nehmen wir hier als Beispiel den Spitz, weil ich ja weiß Silvia, dass Ihr auch einen Vertreter dieser Rasse zu Hause habt. Was die wenigsten wissen ist, dass der Spitz eigentlich als Wachhund gezüchtet wurde. Kein Wunder also, dass er dann das ganze Kondominium weckt, wenn der Nachbar des Nachts über die Stiege kommt. Ein Problem, dass mindestens genauso häufig vorkommt, wie der Familien-Border der zum Balljunkie wird oder leidenschaftlicher Motorrad-Jäger ist. Hund brauchen eine Aufgabe – und wir müssen dabei Ihre Genetik berücksichtigen, ansonsten entwickelt sich oft und schnell unerwünschte Verhaltensweisen. 

Was hat das aber nun mit Familie zu tun? Genauso wie wir Rassen haben, die eben gerne jagen, sehr selbstständig sind oder gerne eng mit dem Menschen zusammenarbeiten, gibt es eben auch Rassen, die eine geringe Hemmschwelle besitzen. Sprich: Rassen die schneller einmal dazu neigen, Ihren Unmut auch durch schnappen kundzutun. Oder auch Rassen wie z. B. den Border Collie, die sich mit Bewegungsreizen schwertun, wenn sie nicht lernen, damit umzugehen. Dann kann es schnell einmal passieren, dass sie die herumlaufende Kinderschar bei der Geburtstagsfeier im Garten versuchen „zusammenzutreiben“, und das auch gegebenenfalls mit zwicken in die Beine. 

Und dann gibt es Rassen wie den Golden Retriever, die meist eine recht hohe Toleranzgrenze haben, sich also relativ viel gefallen lassen. Übrigens gilt dasselbe auch für Mischlinge, denn auch in Ihnen stecken die verschiedensten Vertreter der Rassen. Hier tut man sich allerdings meist schwer zu sagen, wie der Hund einmal mit hoher Wahrscheinlichkeit sein wird. Allerdings hat sich eines in der Praxis herausgestellt: Meist bringen die Hunde schon die Verhaltensweisen mit sich, die Ihrem Phänotyp entsprechen. Schaut also ein Mix aus wie ein Border Collie – dann steckt auch meist im Verhalten ein solcher drinnen. 

Was es aber nicht gibt, ist den typischen Familienhund: Kein Hund wurde alleine auf die „Familientauglichkeit“ hin gezüchtet. Hier kommt es darauf an, was der Hund als Welpe (und hier reden wir schon von den ersten Lebenswochen beim Züchter) sowie auch über die die ersten Wochen im neuen Zuhause gelernt hat. Hat er Kinder als toll, nett, aufregend und spannend erlebt? Hat er gelernt im Familienverband zu leben? Ist er im Haus aufgewachsen? Hat der Züchter bereits dafür gesorgt, dass die Welpen mit den verschiedensten Umweltreizen aufwachsen und klarkommen? Dies alles ist wichtig, wenn man einen ruhigen und souveränen Familienhund möchte. Natürlich findet man auch tolle Hunde im Tierheim. Auch ein erwachsener Hund bringt viele Vorteile mit sich, denn schließlich sind Welpen mitunter auch sehr anstrengend. Ein Welpe ist eben wie ein weiteres Baby. 

Im Tierheim können die Mitarbeiter helfen und einem genau sagen, welcher Hund passt – und welcher nicht. Und hier darf man Ihnen auch ruhig vertrauen schenken und sollte nicht beleidigt sein, wenn man einen Hund nicht bekommt. Denn schließlich wissen die Tierheimmitarbeiter am besten, ob der Hund überhaupt in eine Familie vermittelbar ist oder eben nicht. 

Schlussendlich kann man es so zusammenfassen: 

Ein guter Familienhund ist einer, der eine recht hohe Toleranzgrenze besitzt – sprich sich relativ viel gefallen lässt. Einer, der gut auf Kinder sozialisiert wurde und schon früh positiven Kontakt zu Kindern hatte. Und dann kommt es natürlich auch auf die weitere Erziehung, Management und Souveränität der Eltern an. 

Als Hundetrainerin hattest du die einzigartige Idee, einen Familienbegleithunde-Kurs ins Leben zu rufen. Welche Ratschläge gibst du Familien mit Hund? Welche Fehler werden im Zusammenleben zwischen Kindern und Hunden gemacht?

Als allererstes möchte ich den Eltern sagen: Sucht Euch bei der Auswahl Hilfe! Die meisten Hundetrainer bieten sogar eine kostenlose Beratung VOR der Anschaffung an. Ein Angebot das leider nicht oft in Anspruch genommen wird. Dabei kostet es nichts und würde so viel bringen. 

Zum zweiten sollten Eltern sich bewusst sein, dass der Spruch „Das Kind muss immer über dem Hund stehen“ absolut keine Gültigkeit hat und von der modernen Verhaltensforschung* schon seit vielen Jahren widerlegt wurde. Kinder sind Kinder! Sie können im Sozialverband keine Aufgaben in Richtung Führung übernehmen – und das weiß auch der Hund. Für ihn sind sie Spielkameraden sowie Geschwister, ja und manchmal sind es aus Hundesicht „die Welpen“ des Rudels, die es zu beschützen gilt. Im nicht ganz so idealen Falle versucht der Hund sogar „seine Welpen“ mit zu erziehen. Das passiert auf Hunde-Art, was natürlich nicht so ideal ist. 

Dasselbe gilt für den Spruch „Unsere Kinder dürfen alles mit unserem Hund machen“. Auch jeder noch so brave Hund hat irgendwann mal die Nase voll! Und das bringt er halt dann auch auf Hunde-Art und Weise zum Ausdruck. Hier sind also die Eltern gefragt, denn sie müssen dem Hund einen Rückzugsort bieten, in dem er auch einmal Ruhe hat und ihm klarmachen, dass die Erziehung nicht seine Sache ist. Auch die Kinder sollten lernen, dass der Hund nicht immer nur zum Spielen da ist und auch einmal eine Auszeit braucht. 

Außerdem tun Eltern gut daran, sich ein wenig mit der Hundesprache zu beschäftigen. Den unsere Hunde geben uns Tag ein und Tag aus so viele Signale, wir müssen Sie nur lesen lernen! Dazu übrigens ein toller Buchtipp: „Calming Signals“* von Turid Rugaas sollte in keinem Hundehaushalt fehlen! Wenn Kinder mit Hunden aufwachsen können, ist das etwas tolles, aber es braucht eben Regeln – genauso wie unter Geschwistern eben auch! Mehr Tipps gibt’s übrigens bei mir im Blog unter www.dog-spot.it 

Tamara-Tavella-Art-Kunst-mit-Kind-und-Hund

Tamara Tavella, Künstlerin mit dem Fokus auf Kinder und Hunde

Hallo Tamara, stelle dich bitte vor. Wer bist du?

Mein Name ist Tamara Tavella. Ich bin Zweifachmama, Künstlerin und Tierliebhaberin. Ich male und zeichne schon seit Kindheitstagen, seit 2008 aber sehr intensiv mit Acryl auf Leinwand. Ich malte schon immer, was ich liebte. Als Kind und Jugendliche waren es Tiere, als ich Mama wurde, meine Kinder.

Durch den Tod unseres Familienhundes begann ich mich intensiv mit der Beziehung zwischen Tieren und Kindern auseinanderzusetzen. Und heute male ich für Menschen, die ihre Tiere als Familienmitglieder sehen. Sich die wundervollen Momente zwischen ihren Tieren und ihren Kindern, für immer und auf ganz besondere Weise, festhalten möchten. Oder Menschen, die sich durch meine Kunst zurück in ihre eigene Kindheit versetzt fühlen und diese Gefühle für immer um sich haben wollen.

Tiere waren immer schon, neben der Kunst, ein wichtiger Teil meines Lebens. So arbeitete ich vor langer Zeit auch einmal als Tierarzt-Assistentin, als Physiotherapeutin für Hunde und Pferde und hatte ein paar Jahre einen Hundesalon. Wir haben im Moment zwei Katzen und ein Pferd, das schon über 30 Jahre alt ist. Ein Leben ohne Tiere ist für mich nicht vorstellbar.

Kunst war, ebenso wie Katzen, Hunde, Pferde, Vögel, Schildkröten, Kaninchen, Hamster und Fische, Teil deiner Kindheit. In deinen Gemälden setzt du dich heute intensiv mit dem Zusammenleben von Kindern und Hunden auseinander. Welche Vorteile siehst du im Zusammenleben mit Hautieren?

Ich sehe sehr viele Vorteile. Bei Hunden ist es ein großer gesundheitlicher Vorteil: Mit Hunden muss man nach draußen – bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Dies wirkt sich gut auf das Immunsystem von Kindern aus. Sie bewegen sich mehr, werden z. B. durch den Hund zum Laufen animiert. Ich denke, dass generell jedes Tier ein paar Keime mit in den Haushalt bringt. Und gerade der Kontakt mit Keimen, Kinder etwas „robuster“ werden lässt.

Weitere Vorteile sehe ich entwicklungstechnisch. Kinder entwickeln durch Haustiere schneller Empathie und lernen durch das Vorleben der Erwachsenen, wie man Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernimmt. Auch die soziale Entwicklung wird durch die Anwesenheit von Tieren begünstigt. Als ich selbst ein Teenager war, war meine Katze Chipsie enorm wichtig für mich. Ich konnte ihr alles erzählen. Sie war eine emotionale Stütze. Sie war mein Seelentröster. Ich fühlte mich angenommen. Ein Tier urteilt nicht. Niemals. Es ist vollkommen egal, wie du aussiehst oder wie schräg du auf andere wirkst. Ein tierischer Freund hört zu und ist immer da.

Wenn meine kleine Tochter weint, kommt unsere Katze Selma immer zu ihr. Selma ist eigentlich eine etwas geräuschempfindliche Katze, deshalb wunderte mich das anfangs sehr. Sie kommt aber, trotz des Lärmes und tröstet meine Tochter. Während ihr die Tränen über die Wange kullern, streichelt sie ihr „Baby“, ihre „Mau“ und beruhigt sich. Ist so etwas nicht herzerwärmend? Tiere können Kinder beruhigen, nicht nur wenn sie traurig sind. Durch das Streicheln und den Körperkontakt werden Glückshormone ausgeschüttet. Nicht umsonst gibt es die tiergestützte Therapie, die große Erfolge erzielt. Kinder erfahren durch ihre Haustiere einfach bedingungslose Liebe.

Jedoch möchte ich hier erwähnen: Sich ein Haustier nur anzuschaffen, weil dein Kind sich eines wünscht, ist mehr als falsch. Kinder können nicht abschätzen, wieviel Verantwortung das bedeutet. Die Arbeit wird immer am Erwachsenen hängenbleiben. Solltest du nicht den Tierwunsch teilen, dann ist es besser, dir kein Tier ins Haus zu holen.

Im Mai 2018 musste dein geliebter Sammy erlöst werden, der euch 13 Jahre lang in eurem Leben begleitet hat. Wie alt waren deine Kinder damals und wie sind sie mit dem Tod ihres Tieres umgegangen? Und was möchtest du Eltern mitgeben, deren Kinder gerade mit dem Verlust eines geliebten Tieres ringen?

Irgendwann ist das Haustier alt. Es kommt langsam – und plötzlich ist der Tag da, wo man sich trennen muss. Für mich ist das immer schwierig. Meine Tiere gehören zur Familie. Unser Sammy wurde 14 Jahre alt. Er war fast 13 Jahre lang immer an meiner Seite. Eine lange Zeit. Und doch so kurz. Ich wusste genau, dass er nicht mehr ewig bei uns sein würde. Mein Sohn war vier Jahre alt, meine Tochter eineinhalb. Sammy hatte einen Tumor am Ellbogengelenk. Er sprang aus Übermut von einer kleinen Mauer und konnte plötzlich nicht mehr auftreten. Das Gelenk war kaputt. Irreparabel. Er hatte große Schmerzen und so musste ich ihn erlösen. Er schlief auf meinem Schoß, im Kofferraum unseres Autos, für immer ein. Auch heute macht mich das immer noch sehr traurig, wenn ich daran denke.

Meine Tochter war noch klein und verstand das alles noch nicht richtig. Sie liebt Tiere über alles. Wäre es ein Jahr später passiert, hätte sie wohl sehr gelitten. Etwas anders war es bei meinem Sohn. Als ich mich mit Sammy auf den Weg zum Tierarzt machte, versuchte ich ihm zu erklären, dass Sammy nicht mehr zurückkommen würde. Er verstand nicht ganz. Ich erklärte, dass er alt und krank sei, große Schmerzen hat und deshalb nicht mehr so leben kann. Er weinte etwas, aber ich hatte mir die Reaktion doch etwas anders vorgestellt. Als ich zurückkam war es fast so, als wäre nichts passiert. Er weinte nicht mehr. Auf mein Nachfragen sagte er immer, dass ihm der Sammy nicht fehlen würde. Ich fand das komisch aber dachte, dass er wohl doch nicht so einen großen Bezug zu ihm hatte.

Nach ein paar Tagen ging es dann aber los: Mein Sohn wurde so wütend. Er haute mich, beschimpfte und bespuckte mich. Sagte immer wieder, dass unser Haus hässlich sei und er hier nicht mehr sein möchte. Anfangs dachte ich, es wäre ein Eifersuchtsschub auf seine Schwester. Ich verstand die Welt nicht mehr. So viel Wut in einem so kleinen Menschen. Doch dann dämmerte es langsam, vielleicht war doch Sammys Tod daran schuld? So begann ich wieder nachzufragen und irgendwann brach es aus ihm heraus:

“Du bist eine böse Mami! Du hast den Sammy weggebracht! Unser Haus ist so hässlich ohne den Sammy!!“

Ich begann zu weinen und wollte ihn in den Arm nehmen. Er wehrte sich anfangs und schimpfte und heulte. Er gab mir die Schuld am Tod unseres Hundes. Ich versuchte zu erklären, warum Sammy nicht mehr da sein konnte. Ich versuchte mit aller Empathie, die ich hatte, seine Gefühle zu spiegeln. Doch es dauerte fast 3 Wochen, bis sich sein Verhalten wieder normalisierte. Diese Wochen waren wirklich sehr anstrengend und nervenaufreibend für mich. Schließlich fehlte auch mir unser Sammy. Sammy war eben nicht nur ein Hund, Sammy gehörte zu unserer Familie.

Ich rate allen Eltern, sich über das Trauerverhalten von Kindern zu informieren. Kinder trauern anders. Auch wenn es dir so vorkommt, als würde es dein Kind nicht berühren. Schau genau hin. Sei da. Frage immer wieder nach. Der Tod ist ein schwieriges Thema: Wie sollen Kinder es verstehen, wenn sogar wir Erwachsenen sehr oft damit überfordert sind? Wenn dein Kind große Schwierigkeiten hat, den Verlust zu überwinden, dann suche dir Hilfe. Auch wenn es NUR ein Tier ist, für dein Kind war es vielleicht mehr.

Sandra Baumeister, Gründerin von „Ein Herz für Streuner e.V“

Hallo Sandra, stelle dich bitte kurz vor. Wer bist du?

Hallo Silvia, mein Name ist Sandra Baumeister und ich bin die 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins „Ein Herz für Streuner e.V.“ (Link) mit Sitz in München. Wir haben den Verein 2013 gegründet und seitdem über 2.500 Hunde und Katzen vermittelt, sowie mindestens doppelt so viele kastriert. Unser oberstes Ziel ist die Kastration in Rumänien, um das Leid einzudämmen. Aber wir versorgen die Tiere auch mit Futter und medizinischer Behandlung. Aktuell betreuen wir ca. 800 Hunde jeden Monat und sind sehr auf Paten und Unterstützer angewiesen. Alle Vereinsmitglieder sind regelmäßig in Rumänien, um sich ein Bild der Situation zu machen und um die Hunde besser einschätzen zu können.

Ich bin außerdem ausgebildete Hundetrainerin und ab November Tellington TTouch® Coach und versuche so mit meinem Wissen, den Familien und Hunden einen guten Start in das neue Leben zu bereiten. Denn am Anfang ist es oft etwas holprig. 

Hunde aus dem Tierschutz, dass weiß ich aus eigener Erfahrung, sind nicht immer einfach: Manchmal ängstlich, häufig schüchtern und selten verspielt. Würdest du einer Familie mit kleinen oder älteren Kindern grundsätzlich empfehlen, sich im Tierschutz nach einem Hund umzusehen? Und worauf sollten sie achten?

So pauschal kann man das gar nicht sagen. Wir haben viele tolle, ganz einfache Hunde, die sofort alle Herzen im Sturm erobern und auch genauso verspielt sind wie Hunde in ihrem Alter, die aus Deutschland kommen. Das Verspielte ist oft auch eine Charaktereigenschaft, die unabhängig von der Herkunft ausgeprägt ist. Nicht jeder Hund, nicht jede Rasse, liebt es zu spielen. Und es hängt auch immer von den passenden Spielpartnern ab. Einigen Hunden ist das Spielen einfach nicht wichtig. Andere haben es nie gelernt und können dies noch im hohen Alter nachholen.

Dann gibt es natürlich die ängstlichen und schüchternen Hunde, die entweder schlechte Erfahrungen gemacht haben und misshandelt wurden, oder diejenigen, die einfach sehr reizarm aufgewachsen sind und bisher gar keine Erfahrungen sammeln konnten. Diesen Hunden muss man die nötige Zeit und Empathie entgegenbringen. Dann entwickeln auch diese Hunde sich zu wahren Genießern und sehr liebevollen und glücklichen Wesen. Bisher ist jeder unserer Hunde irgendwann angekommen und kann ein normales und artgerechtes Leben führen. Aber manchmal ist dieser Weg etwas länger.

Das liegt leider oft daran, dass viele Menschen diese Geduld oder Zeit nicht aufbringen wollen. Der Hund muss sofort funktionieren und sich in das Leben und oft sehr unruhigen Alltag eingliedern. Aber wie soll er das machen, wenn er bisher nur Gitterstäbe gesehen hat und nicht weiß wie sich Gras oder Erde unter den Pfoten anfühlt? Ein neues Leben mit noch fremden Menschen in komplett neuen Situationen und Umgebungen kann dann nicht sofort funktionieren, aber das ist vielen Menschen nicht bewusst. Wir versuchen hier so weit wie möglich über alle Eventualitäten aufzuklären.

Leider sind es in Rumänien auch oft Kinder, die die Hunde quälen und mit Steinen bewerfen. Wie sollen sie dann in der Familie auf einmal Vertrauen haben und Kinder lieben?

Daher sind wir besonders bei der Auswahl für Familien mit Kindern sehr darauf bedacht, dass es Hunde sind, die keine schlechten Erfahrungen gemacht haben und eine ausgeglichene Persönlichkeit haben. Das müssen gar nicht immer jüngere Hunde sein. Auch ältere Hunde können hier sehr gut passen, da sie die schwierige Zeit der Pubertät bereits hinter sich haben und die Familien genau wissen, welcher Hund zu ihnen kommen wird. Die Persönlichkeit ist ausgebildet, der Hund ist ausgewachsen und es kommt sozusagen keine Wundertüte ins Haus. Bei Welpen muss man immer etwas flexibel sein, da die körperliche und geistige Entwicklung erst mit ca. 2 Jahren abgeschlossen ist. 

Wenn es kein Hund direkt aus dem Ausland sein soll, gibt es auch viele Hunde, die sich bereits in Deutschland in Pflegestellen befinden. Sie kann man gut kennenlernen um zu schauen, ob die Chemie stimmt. Hier hängt es also sehr von der Lebenssituation und allen äußeren Bedingungen und der Erfahrung der Familie ab, welcher Hund speziell für diese Menschen passend ist. Achten Sie bei der Auswahl immer auf eine gute Beratung von der Tierschutzorganisation

Aber bedenken Sie auch, dass nicht der Hund alleine sein Verhalten bestimmt. Die Haupteinflussfaktoren für das Verhalten eines Hundes sind immer die Umweltfaktoren, unter denen er lebt, wie z.B. die Menschen, Kinder, die Lebenssituation, der Alltag, andere Tiere im Haushalt und vieles mehr. Ein Hund kann daher in komplett unterschiedlichen Bedingungen auch komplett unterschiedliches Verhalten zeigen. Daher können auch die Tierschutzvereine nie zu 100% eine Garantie über das Verhalten eines Tieres geben.

Wichtig ist, dass die Kinder mit den richtigen Werten Tieren gegenüber aufwachsen und über das richtige Verhalten aufgeklärt werden. Den Hunden sollte nie das Futter weggenommen werden, sie sollten nicht beim Schlafen gestört werden und sie brauchen ihre Ruhe-Zonen und -zeiten. Wenn hier mit Respekt und Verstand miteinander umgegangen wird, ist die Basis für eine lange und liebevolle Freundschaft gelegt. 

Grundsätzlich ist es eine tolle Bereicherung für den Hund und die Menschen und wir können nur dazu raten, diesen Schritt zu gehen.

Hast du selbst bereits Hunde aus Rumänien in Familien vermittelt? Worauf hast du dort besonders geachtet und nach welchen Kriterien entschieden?

Wir vermitteln viele Hunde an Familien mit Kindern. Allerdings haben wir auch strikte Vorgaben. Wir vermitteln nicht, wenn die Frau z.B. noch schwanger ist oder das Kind noch ein Kleinkind ist. Das Risiko ist zu groß, dass etwas Unvorhergesehenes passiert und wenn der Hund neu ist, kann es auch sein, dass er etwas pflegeintensiver ist als gedacht – oder Training benötigt. Da es zu viele Variablen in dieser Konstellation gibt, haben wir davon Abstand genommen. 

Das Alter der Kinder variiert je nach Hund. Es gibt Hunde, die noch sehr ängstlich oder unsicher sind. Diese würden wir nicht in einen Haushalt mit kleinen Kindern vermitteln. Diese müssten mindestens 15 Jahre oder älter sein. Oft wählen wir für diese Hunde aber Familien ohne Kinder aus. Die Ausnahme wäre eine sehr erfahrene und uns bekannte Familie, die um die Bedürfnisse und Problem weiß und damit gut umgehen kann. 

Wir machen umfangreiche Vorkontrollen bei allen unseren Familien. Dabei ist es uns sehr wichtig, dass auch die Kinder des Haushaltes dabei sind und wir das Gefühl haben, dass alle Familienmitglieder voll hinter der Entscheidung stehen. Denn wenn einer bereits sagt, dass er Angst hat oder keinen Hund haben möchte, dann kann es in der Regel nicht gut funktionieren. Wir legen also großen Wert auf die gemeinsame Entscheidung – und dass die Kindern auf den Familienzuwachs auch gut vorbereitet werden und ihnen alles erklärt wird. Auch sie tragen eine Verantwortung.

Wenn die Kinder noch jünger sind, ist es uns sehr wichtig, dass wir das Gefühl haben, dass die Eltern sich der Verantwortung voll bewusst sind und wichtige Grundregeln befolgen, wie z.B. kleine Kinder und Hunde nie zusammen alleine zulassen, dem Hund immer die Möglichkeit geben, sich zurück zu ziehen und seine Ruhezonen im Haus zu haben. Nur wenn wir ein gutes Gefühl haben und es für alle möglichen Probleme einen Plan gibt, dann vermitteln wir den Hund!

Erzähle: Wie sind deine Erfahrungen mit Tierschutzhunden in Familien mit Kindern?

Ehrlich gesagt, sind wir hier etwas Zwiegestalten. Einerseits haben wir viele tolle Familien, in denen es super mit Kind und Hund harmoniert. Diese Familien sind aber auch sehr aktiv was das Training angeht und bemüht, dass allen gerecht wird und niemand zu kurz kommt. Viele haben sich am Anfang auch durchgebissen, wenn es mal schwierig oder anstrengend war. Und am Ende haben sich alle glücklich zusammengerauft und leben jetzt ein sehr harmonisches Miteinander. Oft wird aber vergessen, dass dies am Anfang auch anders aussah. 

Andererseits haben wir leider auch viele Familien, die eben nicht bereit sind, etwas Arbeit in die Beziehung zu stecken. Der Hund ist neu und ist unsicher wenn das Kind auf ihn zu rennt. Was macht er? Er knurrt das Kind an. Das ist ein vollkommen normales hündisches Verhalten und bedeutet nur, dass ihm alles zu viel und noch zu eng ist. Er braucht einfach noch Zeit und Abstand. Gibt man ihm dieses und respektiert seine Wünsche, dann baut er auch sehr schnell Vertrauen auf und hat sehr schnell auch keine Angst mehr vor dem Kind. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn der Hund dann nicht sofort weg muss und in ein Tierheim abgeschoben wird. Für ihn bedeutet das enormen Stress und er leidet sehr unter der Situation, denn er hat nur kommuniziert und wurde nicht verstanden.

Leider kommen aus diesen Gründen mind. 70% der Rückläufer aus Familien mit Kindern. Häufig weil der Hund am Anfang, wenn noch alles neu ist, das Kind anknurrt. Aus diesem Grund mussten wir unsere Vorgaben was die Vermittlung an Kinder angeht, strikter machen.

Der Grund für diese Vorgaben ist in erster Linie Schutz für den Hund und in zweiter Linie für uns. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, können wir keinen 24 Stunden Dienst leisten. Und wir sind kein Tierheim, d.h. wir können die Hunde nicht ohne Probleme umsetzen. Wenn ein Hund aus einer Familie mit Kindern weg muss, dann muss er das in der Regel sofort. Innerhalb eines Tages. Und dann wird oft die Pistole an die Brust gesetzt. Es bleibt dann die schwierige Suche nach einer Pension, oder einem Tierheimplatz. Der Hund wir also hin und her geschoben und versteht die Welt nicht mehr. 

Ein weiteres großes Problem, das oft unterschätzt wird, ist die Pubertät. Viele Familien wollen einen Welpen. Der ist süß und bringt Spaß. Aber auch nur solange, bis der Hund 7 oder 8 Monate alt ist, denn jetzt kommt er in die Pubertät. Die Hormone spielen verrückt und er kann auf einmal gar nichts mehr. Alle Kommandos sind vergessen. Dieses Verhalten wird oft fehlinterpretiert und dem Hund wird eine Absicht unterstellt. Er macht mit Absicht in die Wohnung, will die Menschen provozieren und vieles mehr. Das kann ein Hund aber gar nicht. Hunde denken nicht um drei Ecken. Sein Verhalten ist auf das Durcheinander der Hormone in seinem Körper zurückzuführen und er braucht gerade jetzt sehr viel Halt, Liebe und positive Führung!

Wird er in dieser sehr sensiblen Zeit mit Strenge und Härte und sogar körperlichem Einwirken bestraft oder gemaßregelt, wird die komplette Beziehung zwischen Hund und Mensch zerstört. Das Vertrauen ist gebrochen und der Hund oft auch. Diese Hunde sind dann in der Regel die Rückläufer an den Verein, weil sie dann aus der Not heraus auch anfangen zu schnappen.

Danke Sandra für auch dir für deinen tollen Beitrag. Eine große Bitte an dieser Stelle von mir an euch da draußen: Sandra und ihr Verein „Ein Herz für Streuner e.V.“, brauchen dringend finanzielle Hilfe. Eine neue Auffangstation und eine hohen Umsatzsteuer-Nachzahlung an das Finanzamt waren zu viel für den kleinen Verein, der jetzt versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Möchtest auch du ein wenig dabei unterstützen und den vielen hilflosen Seelen helfen, die vom Verein abhängig sind (Futterkosten, Pensionsplätze, medizinische Betreuung uvm)? Dann spende doch einen kleinen Beitrag an die ehrenamtlichen Mitarbeiter, hier findest du mehr Informationen.

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