Braucht es ihn noch, den Equal Pay Day?

Wer in diesen Tagen durch die die Gassen von Brixen oder Bozen läuft, begegnet ihnen überall: Den roten Einkaufstaschen mit der Aufschrift „Equal pay day“. Doch braucht es ihn noch, den internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen, der erstmals 1966 in den USA ins Leben gerufen wurde?

9.-Equal-Pay-Day-in-Südtirol-am-20.04.2018

In diesem Jahr findet am 20.04.2018 der 9. Equal Pay Day in Südtirol statt. Dieser Tag symbolisiert jenen Tag, bis zu dem eine Frau ohne Entgelt arbeitet, während der Mann in der gleichen Position seit dem 1. Januar für seine Arbeit bezahlt wird. Der Equal Pay Day soll dazu beitragen, auf das Lohngefälle aufmerksam zu machen, um dieses langfristig abzubauen. Schließlich zeigen aktuelle Daten des ASTAT (Infoblatt 02/2018), dass Frauen in Südtirol immer noch im Durchschnitt 17,2% weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen.

Zum besseren Verständnis der Situation hat die Gender Pay Gap Statistik in Deutschland folgendes errechnet:

Mann kann 100 Minuten eher Feierabend machen als Frau
– und hat dafür das gleiche Geld bekommen.

Da in Deutschland das Gefälle aktuell bei 21% liegt, wären dies in Südtirol umgerechnet etwa 82 Minuten. Bei einem 8 Stunden Tag und einem Arbeitsstart um 9 Uhr, kann ein Mann 16.10 Uhr den Stift fallen lassen, eine Frau erst 17.30 Uhr. Dazu kommt, dass aktuell leider immer noch Frauen, auch nach der Arbeit, den größeren Teil der Haushaltsaufgaben und bei der Kindererziehung übernehmen.  

Artikel Empfehlung: Elternzeit | Traut sich der moderne Mann?

Warum gibt es ein Lohngefälle zwischen Frau und Mann?

Für die Einkommensunterschiede gibt es verschiedene Gründe:

  • Frauen nehmen häufiger für die Familie eine Auszeit vom Berufsleben
  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit
  • Führungspositionen werden häufiger mit Männern besetzt
  • Frauen wählen häufiger schlechter bezahlte Berufe (Tagesmutter, Pflege etc.) 
  • Frauen führen die Gehaltsverhandlungen anders als Männer
Equal Pay Day-ASTAT-Einkommensunterschiede-von-Mann-und-Frau-in-Südtirol
© ASTAT Publikation 2018 (Info 02/2018)

Laut Daten des ASTAT sind dabei die Lohnunterschiede zwischen Frau und Mann in jenen Branchen besonders groß, wo die Verdienstmöglichkeiten am höchsten sind, z.B. im Finanz- und Versicherungswesen oder Anwaltswesen. Durchschnittlich verdient eine Frau in Vollzeit in Südtirol nämlich 17.814 €, während der Mann ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 26.360 € hat. Dieses Lohngefälle und das geringere Einkommen von Frauen wirkt sich auch langfristig auf sie aus und führt zu einer geringeren Rente.

17% weniger Lohn führt zu geringer Altersrente

In den vergangenen Jahren wurde einige Bemühungen angestellt, um das gesellschaftliche Umdenken voranzubringen und das Gefälle abzubauen . Der Equal Pay Day ist nur eine jener politischen Maßnahmen. Leider ist die Ungleichheit trotz allem in den letzten Jahren (Einführung des Initiative in Südtirol 2010) nicht kleiner geworden. Das führt dazu, dass Frauen häufiger als ihre männlichen Kollegen im Alter von Altersarmut bedroht sind. Auf dieses Thema bin ich in folgendem Beitrag näher eingegangen:

[related-post id=“9918″]

Neben diesen Unterschieden im Gehalt in derselben Position bei derselben Qualifikation kommt hinzu, dass in Südtirol aktuell nur 65,9% der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren erwerbstätig sind, während es bei den Männern 79,8% waren. Sind Frauen als Arbeitskräfte weniger gern gesehen? Zusätzlich arbeitet jede zweite erwerbstätige Frau (46,6%) in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 9,7%.

Equal Pay Day Motto: Transparenz gewinnt

In diesem Jahr steht der Equal Pay Day übrigens unter dem Motto „Transparenz gewinnt“. In Südtirol ist das Thema Gehalt tabu, denn „Über Geld spricht man nicht!“ In Schweden hingegen – und in vielen Großkonzernen wie Google oder Einhorn – ist es längst normal, dass die Gehälter der Mitarbeiter offenliegen. Ziel ist es zum einen, mehr Vertrauen zu schaffen und zum anderen, den einzelnen Mitarbeiter bei Gehaltsverhandlungen zu stärken, da alle transparenz auf dieselben Daten zurückgreifen können.

Für Transparenz und gleiche Bezahlung setzen sich, seit der „HeforShe“ Kampagne der UN Women Solidaritätsbewegung, auch weitere männliche Führungskräfte in Ihrem Unternehmen ein: Das führende französische Hotelunternehmen Accor beispielsweise, dass für alle seine 180 000 Beschäftigten für das Jahr 2020 die gleiche Bezahlung erreichen will. Diese Initiative basiert dabei auf einer simplen Idee: Es ist viel bedeutender, was wir an Gemeinsamkeiten haben, als das, was uns voneinander trennt. Uns definiert letztendlich nicht unser Geschlecht, sondern unser gemeinsames Menschsein!

Was denkst du über den Equal Pay Day?

4 Comments

    1. Danke dir Walter für den sehr interessanten Link! Ich wünsche dir und deiner Familie ein erholsames Wochenende. Liebe Grüße – Silvia

  1. Sehr gelungener beitrag! Ich musste von einigen vätern erfahren, dass deren nutzung der elternzeit von den kollegen belächelt und von der chefetage mit unmut aufgenommen worden ist…

    1. Danke für dein Kompliment und dein Kommentar <3 Leider gibt es diesen Teil der Männer auch. Und ich hoffe, in den nächsten Jahren ändert sich daran etwas. Denn das hat Vorteile für alle. Und ich glaube, je mehr Männer sicht (trotzdem) trauen, umso leiser werden die Stimmen derjenigen, die das abtun und belächeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.