Haustiere

Baby und Hund: Ein kleiner Ratgeber

12. Oktober 2019

In den letzten Jahren habe ich einige Erfahrungen mit Baby’s, Kleinkindern und Hunden sammeln dürfen. Immer wieder ist mir dabei aufgefallen, wie ähnlich sich Hund und Kind eigentlich sind. Deshalb möchte ich dich heute an einigen Gedanken rund um das Thema Baby und Hund teilhaben lassen, von Fragen vor der Geburt bis zum ersten Treffen von Hund und Baby – und noch etwas darüber hinaus. Was es mit einem Baby und Hund zu beachten gilt – oder ob ein Hund im Haushalt mit einem Baby gar gefährlich ist, dass erzähle ich dir heute. Los geht’s!

Hund oder Baby: Was sollte zuerst kommen?

Erinnerst du dich an den Film „Marley & Ich“* mit Owen Wilson und Jennifer Aniston? Wenn man sich mit dem Thema Hund und Baby beschäftigt, ist zumeist eines der beiden, also ein Baby oder der Hund, schon im Haus. Aber ab und an gibt Paare (wie Jenny und John im Film), die vor der Frage stehen: Was sollte zuerst kommen, ein Hund oder ein Baby? Diese Frage zu beantworten, ist nicht ganz einfach: Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, erst den Vierbeiner ins Haus zu holen, aber auch genügend Gründe dafür, mit dem Hund die Familie erst komplett zu machen (so wie wir es damals gemacht haben). Um dir die Entscheidung vielleicht ein wenig zu erleichtern, habe ich hier ein paar Punkte notiert, die dir dabei helfen können.

Zuerst der Hund, dann das Baby

Folgende Punkte könnten dafür sprechen, den Hund zuerst in deinen Haushalt zu holen:

  • Du wünschst dir schon unglaublich lange einen Hund und hast endlich genügend Zeit.
  • Du hast noch keine Hundeerfahrung bzw. Erfahrung in der Erziehung von Hunden.
  • Hunde sind so schlau wie 3-4 Jährige, du kannst also schonmal für dein Kind „üben“.
  • Der Hund ist, sobald das Baby kommt, schon gut erzogen und kennt die Grundregeln.

Kommt dann das Baby zu deinem Hund, profitiert es sehr von seiner Anwesenheit. Die Epidemiologin Anna Kozyrskyj hat festgestellt, dass der positive Einfluss (gegen Allergien und späterem Übergewicht) von Hunden auf Babys sich vor allem in den ersten Lebensmonaten zeige – und während der Schwangerschaft.

Du musst aber auch beachten, dass eine Schwangerschaft nicht immer ganz einfach (Morgenübelkeit, Ischiasschmerzen usw.) sein muss und du dich dann aber trotzdem um deinen vierbeinigen Freund kümmern musst. Außerdem musst du Zeit einplanen, deinen Hund auf das künftige Familienmitglied vorzubereiten, sonst kann es zu Eifersucht und Missmut kommen. Schließlich muss dein Hund, gerade am Anfang, meist ein wenig zurück stecken. Ist diese Zeit geschafft, profitiert dein Baby sehr vom Zusammenleben mit dem tierischen Kumpel: Kinder mit Hund gelten allgemein als weniger allergieanfällig und sie haben ein stärkeres Immunsystem. Vom Einfühlungsvermögen, dass sie so sehr früh in die Wiege gelegt bekommen, profitieren sie ein Leben lang.

Zuerst ein Baby, dann ein Hund

Was spricht denn nun dafür, sich erst um den Kinderwunsch zu kümmern und irgendwann später die Familie mit einem Hund zu bereichern? Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht und auch unsere Geschichte noch einmal Revue passieren lassen, dabei bin ich auf folgende Punkte gekommen:

  • Du hast schon unglaublich lange einen Kinderwunsch und möchtest dich voll und ganz dem Baby widmen.
  • Du arbeitest Vollzeit und hast aktuell gar keine Zeit für einen Hund. Sobald dein Baby erst da ist und du in Teilzeit arbeitest, lässt sich dein Alltag besser mit einem Hund kombinieren.
  • Du möchtest in der Schwangerschaft den Kopf frei haben für diese einzigartige Zeit und dein Neugeborenes
  • Du möchtest dir erst sicher sein, dass dein Kind gut und sicher mit einem Haustier umgehen kann, bevor du einen eigenen Hund in eure Familie holst
  • Ist schon ein Baby oder Kleinkind im Haus, kannst du danach bei der Auswahl der Rasse darauf Rücksicht nehmen und auf die „Familientauglichkeit“ ein besonderes Augenmerk legen.

Du siehst, die Entscheidung ist immer eine ganz persönliche und muss individuell von Paar zu Paar entschieden werden. Letztendlich ist ein Zusammenleben zwischen Baby und Hund mit dem richtigen Wissen und einigen Regeln (Kind und Hund NIE alleine und unbeaufsichtigt lassen!) eine wundervolle Sache!

© CC 2.0 by flickr – Mliu92, Got Tags Too 3791

Dein Hund und ein Neugeborenes

Du hast eine wundervolle Freundschaft und eine enge Bindung zu deinem Hund aufgebaut – und jetzt wird ihm ein Säugling vorgestellt: Darauf solltest du deinen Hund gut vorbereiten (z.B. mit dem sechswöchigen Onlinekurs „Baby & Hund“)! So kannst du unnötigen Stress bei dir und deinem Vierbeiner nach der Geburt und – wenn plötzlich ein weiteres Familienmitglied auftaucht und der Mittelpunkt des Geschehens ist – vermeiden. Von dieser Vorbereitung profitiert ein Baby, dass mit Hund aufwächst, sein Leben lang. Dazu kannst du unter anderem:

  • deinem Hund Baby’s von Freunden und Bekannten vorstellen und ihn damit vertraut machen
  • schon vorab Tabuzonen einrichten, z.B. die Wiege, der Wickeltisch oder das Kinderbettchen
  • neue, wichtige Kommandos einüben, z.B. Gib her!
  • die Körpersprache deines Hundes besser verstehen lernen, damit es nicht zu brenzligen Situationen kommt
  • die Warnzeichen und Signale von Hunden kennen- und deuten lernen (Calming signals)
  • frühzeitig den neuen Alltag mit Baby und Hund planen
  • nimm einen Teddy oder eine Puppe und spielen damit „Baby“
  • trainiere bereits JETZT Spaziergänge mit dem Kinderwagen oder mach dir mit einer Babytrage vertraut
  • neue Regeln einführen und eindeutig kommunizieren
  • triff vorab wichtige Hygienemaßnahmen
  • einen ruhigen Rückzugsort für deinen Hund einrichten
  • deinem Hund auch einmal die Aufmerksamkeit entziehen und lernen, ihn zu ignorieren
  • gewöhne deinen Hund frühzeitig an den neuen Rhythmus, z.B. keine frühmorgendlichen Spaziergänge mehr
  • das erste Treffen zwischen Säugling und Vierbeiner schon einmal gut vorausplanen
  • den Vierbeiner auf die neuen Gerüche vorzubereiten und für Geräusche zu desensibilisieren (z.B. mit diesem Youtube Video oder auch dieser Tonspur)

Außerdem solltest du deinen Hund vor der Ankunft deines Baby’s entwurmen und impfen. So kann dein Baby mit Hund behütet und sicher aufwachsen und du kannst allen die skeptisch nachfragen „Baby und Hund – funktioniert das?“ sagen: Ja, absolut!

Hund und Kind – Wenn ein Baby ins Rudel kommt!

Hast du dich und deinen Hund gut vorbereitet, kann die Zeit mit Hund und Baby ganz wundervoll und harmonisch sein: Gemeinsame Spaziergänge, mit Baby und Hund Gassi gehen, alle gemeinsam kuscheln und gleich doppelt so viel Liebe. Vergiss dabei, auch wenn dein Neugeborenes natürlich viel Zeit in Anspruch nimmt, dich vielleicht müde macht, viel Mühe kostet und vielleicht auch gerne quängelt, dass dein Hund dich auch – und immer noch – als sein Partner an seiner Seite braucht. Erinnerst du dich noch an „Susi und Strolch“*? Mir tat damals schon Susi unglaublich leid, als sie nach der Geburt des Babys von ihren Menschen total vernachlässigt wird und kaum noch Aufmerksamkeit bekommt. Das solltest du möglichst nicht nachmachen!

Der Hund wurde speziell für Kinder gemacht.
Sie sind die Götter der Fröhlichkeit!

Henry Ward Beecher

Irgendwann kommt dann aber die Zeit, wo dein Baby zum Kleinkind heranwächst, mobiler wird, krabbelt und sich überall hochzieht. Als unsere große Maus damals in dem Alter war, hatten wir zwar keinen Hund, aber bereits unsere zwei Katzen. Sie wurden fleißig von unserem Schatz „verfolgt“, angefasst und auch die Näpfe mit dem Futter und vor allem dem Wasser (Wasser zieht Kinder wirklich wie magisch an!) waren nicht mehr vor ihr sicher. Das hat unsere Katzen erstmal ganz schön verunsichert, auch wenn sie unsere Töchter von Anfang an supergut angenommen haben: Sie haben weder Eifersucht noch Unsicherheit gezeigt und haben tagsüber gerne neben dem Stillkissen auf dem Sofa geschlafen.

CC 2.0 by flickr – Sébastien GARNIER – Baby & Dog

Dein Kind im Krabbelalter und ein Hund

Beim Hund ist das noch einmal eine andere Sache: Denn ein Hund könnte dein Kind, das nun mobil wird, möglicherweise als Beute betrachten. Auch ein schreiendes und laufendes Kind könnte unter Umständen den Jagdinstinkt deines Hundes auslösen. Wir Erwachsener müssen also unser Auge für brenzlige Situationen schulen und natürlich immer dabei sein, wenn Kind und Hund zusammen spielen. Denn dein Hund braucht nun gute Nerven, dass hat auch Hundetrainerin Natalie Thaler in einem Interview bestätigt:

Kein Hund wurde als Familienhund gezüchtet. Ist es laut, kommen andere Kinder zu Besuch und es wird gespielt und es herrscht Hektik und Trubel, braucht dein Hund vor allem eines: eine hohe Toleranzschwelle und einen sicheren Rückzugsort!

Das gilt auch schon, wenn Kinder anfangen zu krabbeln und ihre Umgebung zu erkunden. Du solltest dein Kind also immer begleiten und verhindern, dass es den Hund beim Schwanz zieht, an den Beinen reisst, am Fell zupft, ins Auge piekst oder die Hand ins Maul steckt. Um das zu vermeiden, sollte nun auch dein Kleinkind sicher an den Hund herangeführt und an den Umgang mit dem Vierbeiner gewöhnt werden, z.B. in dem es lernt, wie man den Hund richtig streichelt (auch dein Hund muss sich erst langsam daran gewöhnen, vom Kind angefasst und gestreichelt zu werden) oder indem auch dein Kind – wie anfangs der Hund – nun Tabuzonen wie die Hundebox oder den Hundekorb, kennenlernt. Dazu gibt es einige schöne Broschüren, bspw. vom Verband für das deutsche Hundewesen, vom Verein Tierschutz macht Schule und eine ganz tolle, kindgerechte Broschüre vom Veterinäramt in Zürich.

Ist auch die Kleinkindphase vorbei, können dein Kind und euer Hund zu einem tollen Team werden. Unsere Susi ist eingezogen, als unser Wildfang gerade 3 Jahre alt geworden ist. Leider ist das statistisch gesehen genau das Alter, in dem Kinder am häufigsten gebissen werden. Hier waren wir also besonders achtsam und heute, wo unsere Kleine 5 ½ Jahre alt ist, sind sie und unsere Susi ein tolles Team: Wildfang übt Tricks mit Susi, darf beim Spaziergang auch mal die Leine halten, füttert sie ab und an und freut sich immer wieder wie ein Baby, wenn unsere Susi freudestrahlend zu ihre gelaufen kommt. Das ist, finde ich, wirklich unbezahlbar!

Trotz Hund gesund durch die Kindheit

Zu guter Letzt möchte ich noch eines anmerken, was das Zusammenleben zwischen Kind und Hund angeht und ich als besonders wichtig erachte: Die regelmäßige Entwurmung eures Haustieres (nach dem ESCCAP-Schema). Wir sind erst letztens bei unserem Tierschutzhund mit Bandwürmern in Kontakt gekommen – Bilder davon möchte ich euch lieber ersparen – und das hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig die regelmäßige monatliche bzw. vierteljährliche Wurmkur des Hundes ist. Vor allem dann, wenn der Hund mit Kindern im Haushalt lebt, sie im Gesicht abschleckt oder mit ihnen im Bett oder auf der Couch kuschelt.

Wer dann nicht regelmäßig entwurmt, riskiert die eigene und die Gesundheit der Kinder. Und wer jetzt einwirft, dass er lieber an drei aufeinanderfolgenden Tagen Kotproben sammelt und diese im Labor prüfen lässt, dem sei folgendes mit an die Hand gegeben: 

  • der Befall mit Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm), kann mit keiner verfügbaren Methode zweifelsfrei im Labor nachgewiesen werden
  • eine Infektion mit Würmern kann überhaupt erst nach der Präpatenz- bzw. Inkubationszeit erkannt werden. Hat sich nun dein Hund bspw. mit den Eiern einer Wurmart infiziert, die eine Präpatenz- bzw. Inkubationszeit von 42 Tagen hat, wir aber zufällig an Tag 39, 40 und 41 nach Infektion die Kotprobe sammeln, wird diese negativ sein. Trotzdem beginnt dein Hund zwei Tage später mit der Ausscheidung infektiöser Wurmstadien während er weiter mit dir im Bett schläft oder mit den Kindern schmust

Wer mich kennt weiß, dass ich absolut kein Fürsprecher von unnötigen medikamentösen und medizinischen Behandlungen bin und gerne auf natürliche Mittel und die Naturheilkunde zurückgreife: In diesem Fall gibt es in meinen Augen aber leider keine Alternative, denn die Wirksamkeit von Kokosflocken, Kokosöl, Knoblauch, Kamala Fruchthaarpulver Mallotus philippinensis) bis hin zu den gehäckselten Pferdeschweifhaaren sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Um unsere Hündin also nach der obligatorischen Entwurmung natürlich zu unterstützen, greife ich lieber zur regelmäßigen Entgiftung mit Brennnesseln, Löwenzahn, Ringelblume, Zeolith (altern. Heilerde) und Spirulina. 

Mehr Informationen zur Wurmkurm und Entwurmung des Hundes findest du übrigens bei:

Dr. Rückert: Der „Wurmkur Irrtum“?
Dr. Rückert: Entwurmung bei Hund und Katze
Achtung: Lungenwürmer durch Grasfressen

Quellenangaben und weiterführende Links:
einfachtierisch
Echtemamas.de
Familie.de
tierisch wohnen
Brigitte.de
Dogcoach
Fit und glücklich
Naturkraxler
Hundezentrum Amstetten

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